
Hallo Lenchen,
Als Odessa am 02. Mai 1991 auf die Welt kam, sollte sie sie eigentlich sofort wieder verlassen. Ihre Mutter, selbst erst knapp 1 Jahr alt, war unbemerkt
schwanger geworden. Da es zu spät für eine Abtreibung war, sollten die Kleinen nach der Geburt sofort eingeschläfert werden. Als mein Frauchen das
hörte, hat sie sofort bei dem Katzenhalter angerufen und gesagt, das sie ein Kätzchen aus dem Wurf zu sich nehmen würde und für die anderen eine
Annonce in der Zeitung aufgeben würde, damit sie ein liebevolles Zuhause finden. Sie hat so auf ihn eingeredet, dass er seine Meinung geändert hat und
schließlich so begeistert war, dass er die Geburt sogar gefilmt hat (allerdings nur von den 3 Katern, Odessa und ihre Schwester wurden erst am
nächsten Morgen entdeckt) und alles ganz toll fand. Als mein Frauchen mit Odessa nach Hause kam, war sie erst 7 Wochen alt (die Katzenhalter sind
in Urlaub gefahren und so mussten die Kätzchen schnell aus dem Haus) und konnte noch gar nicht alleine fressen. Aber gemeinsam haben wir sie
aufgepeppelt und ihr ein Zuhause gegeben. Aber leider kam sie aus einer sehr schwächlichen Familie. Ihre Mutter starb mit knapp zwei Jahren und
auch von ihren Geschwistern hörte man leider, dass sie nur wenige Jahre alt geworden sind. Mit 8 Jahren bekam Odessa einen Schlaganfall und sollte
eingeschläfert werden, doch mein Frauchen hat gekämpft wie eine Löwin, hat den Tierarzt gewechselt und mit ihm zusammen Odessa wieder
aufgepeppelt. Gott sei dank, hat sie sich fast vollständig erholt. Nur ihre Taubheit ist geblieben, aber als reine Wohnungskatzen war das überhaupt kein
Problem. Von da an musste Odessa dann jeden Monat einmal zum Tierarzt und bekam dort eine von diesen ekligen Spritzen. Aber Frauchen hat uns
erklärt, dass das sein muss, damit Odessa nicht noch einen Schlaganfall bekommt, weil sie eine schlechte Durchblutung hat. Und immerhin wurden uns
noch 4 1/2 schöne Jahre mit ihr geschenkt. Im letzten Jahr bekam sie dann Probleme mit dem Herzen und musste jeden Tag eine widerwärtige Tablette
schlucken. Du glaubst gar nicht, wie gemein mein Frauchen werden konnte, wenn Odessa das blöde Ding nicht schlucken wollte. Sie hat Odessa dann
einfach gepackt und ihr die Tablette ins Mäulchen gestopft, bis sie sie endlich geschluckt hat. Aber ich glaube, das ihr das mehr weh tat hat als der
Odessa und sie es nur getan hat, weil es Odessa sonst wieder schlecht gegangen wäre. Außdem hat sie erst immer versucht, die Tablette in Odessa
allerliebsten Leckerchen, der Malt-Soft-Paste, zu verstecken. Aber manchmal war Odessa einfach zu dumm, um zu kapieren, dass das dann nicht so
eckelig schmeckt. Trotz allem wurde sie in diesem Jahr dann so richtig krank. Immer wieder hatte sie Entzündungen. Ohren, Augen, Hals, Blase und dann
litt sie auch noch unter akuter Blutarmut, was sich der Tierarzt gar nicht erklären konnte. Mein Frauchen hat alles für Odessa getan und erst sah es
so aus, als würde sie sich wieder erholen. Doch dann bekam sie plötzlich diese Beulen unter dem Fell (mein Frauchen nannte sie Tumore), eine nach
der anderen, dass ging ganz schnell. Sie hatte Fieber und wollte auch gar nicht mehr fressen, dabei war sie doch schon so spindeldürr. Danach war
dem Tierarzt klar, dass sie Krebs hat, wahrscheinlich sogar Leukemie. Ein paar Tage später fing sie dann an so zu röcheln und bekam ganz schlecht
Luft und als Frauchen dann heulend mit dem leeren Katzenkorb nach Hause gekommen ist, war mir sofort klar: Odessa ist über die Regenbogenbrücke
gegangen. Ich hoffe, dort geht es ihr jetzt wieder richtig gut und sie wartet auf mich, wenn ich einmal über die Brücke gehen muss.
Danke, dass Du mir zugehört hast
Trishan

Einige Tage nach Lenchens Tod erreichte mich dieses Mail von Trishan. Frauchen und ich sind immer noch ganz gerührt, wenn wir es lesen,
denn mit dieser Geste -und es ist mehr als eine Geste - haben Trishan und seine Menschin unserem Lenchen, aber auch Odessa ein wunderbares
Denkmal gesetzt. Vielleicht finden sich ja Nachahmer? Das wäre toll.

Hallo Hannah,
darf ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Trishan, ich bin 15 Jahre alt und habe Lenchen erst vor kurzer Zeit kennen gelernt. Sie hat
mir und meinem Frauchen sehr geholfen, als unsere Odessa vor ein paar Wochen über die Regenbogenbrücke gehen musste. Sie hat
Odessa und ihre Geschichte auf der Regenbogenseite veröffentlicht und uns dadurch das Gefühl gegeben, dass noch etwas von ihr
zurückgeblieben ist und sie nicht vergessen wird. Umso bestürzter bin ich, dass Lenchen so plötzlich selbst diesen Weg gehen musste.
Sie hat uns so viel Kraft gegeben in unserer Trauer, sie war so stark, ich kann es gar nicht glauben...
Ich weiß, ich kann Euch euren Schmerz nicht vergessen machen, aber ich bin ganz fest davon überzeugt, dass Lenchen ihr Werk dort
drüben auf der anderen Seite weiterführt. So wie ich sie kennengelernt habe, hat sie sich im Regenbogenland sofort an die Arbeit
gemacht, um Freunde zusammenzuführen und Artgenossen zu trösten.
Ich hatte mich gerade daran begeben, ihr einen Brief zu schreiben, um ihr nochmals für Ihre Anteilnahme zu danken, als ich die
traurige Nachricht erfuhr. Mein Frauchen und ich hatten uns überlegt, wie wir ihr eine Freude machen können. Und das wollen wir auch
jetzt noch tun. Deshalb haben wir heute als Dank und in Erinnerung an Lenchen in ihrem Namen eine kleinen Betrag der
Katzenhilfe
Westerwald gespendet. Ich bin mir sicher, sie hätte sich darüber gefreut.
Ich wünsche Dir, liebe Hannah, viel Erfolg bei der Weiterführung von Lenchens Lebenswerk. Du machst das bestimmt auch ganz toll.
Ich werde mich weiter auf dem Laufenden halten.
Alles Liebe, in Gedanken bin ich bei Euch
Trishan
PS.: Ich glaube ganz fest, jeder Regenbogen ist ein Gruß von unseren Freunden aus dem Regenbogenland. Sie wollen uns trösten und
uns sagen, dass es ihnen gut geht. Wenn ich jetzt einen Regenbogen sehe, werde ich nicht nur an Odessa, sondern auch an Lenchen
denken. Sie hat einen Platz in meinem Herzen.
Gelsenkirchen, d. 26.08.04
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