Unsere Patenkatze-Tom hat vor Jahren Lenchen dieses zauberhafte Gedicht von der "Streunenden Katze" geschickt. Jedesmal wenn ich das Gedicht lese bekomme ich ganz feuchte Äuglein, und ich wünsche mir so sehr, dass ganz viele Katzen ein schönes neues zu Hause finden.

Vielen Dank Tom für das Gedicht!



Die streunende Katze

Markt und Strassen stehn verlassen
still erleuchtet jedes Haus
einsam streif ich durch die Gassen -
alles sieht so festlich aus ...

In dem Fenster dort am Platze,
wo ein blaues Kissen liegt,
hat sich eine graue Katze
ganz behaglich hingeschmiegt.

Über ihr da baumeln Sterne,
unter ihr die Heizung schmaucht -
draussen unter der Laterne
steh ich mager und verbraucht.
Auf des Fensters warmer Seite
rührt die Katz kein Augenlid,
während diesseits eine zweite
Katze mir entgegensieht:

Eine jämmerliche Fratze,
struppig, ausgezehrt und wild -
leider kenn ich diese Katze,
denn es ist mein Spiegelbild.
Upps! Jetzt ist das Bild zerflossen,
denn das Licht im Raum ging an,
zeigt mir durch die Fenstersprossen
einen kahlköpfigen Mann.

Tritt ans Fenster, krault die Katze,
und jetzt hat er mich gesehen -
besser mach ich mich vom Platze,
wird wohl Zeit zum Weitergehen.

Schon hör ich das Fenster knirschen,
schon erscheint sein kahler Kopp -
höchste Zeit mich wegzupirschen.
Doch da sagt er: "Mieze, hopp!"

Lockend klopft er auf das Kissen,
wo die graue Katze lag.
Hab mich schnell zusammengerissen.
Spring ich hin? Wie gern ich mag!

Seit jenem Tag - das ist nicht wenig -
bewohne ich als zweite Katz
dies warme Haus, fast wie ein König.
Und mein Dosi mit der Glatz
ist mein wunderbarer Schatz!

(Verfasser unbekannt)

Eure Manon


 

© Manon von Grini 2009